Meilenstein
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Platzhalter-Bild Platzhalter-Bild Alte Schule Friesenrath Schützenhaus Friesenrath_01

St. Hubertus Schützenbruderschaft Friesenrath e.V.

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675 Jahre Friesenrath 1134 - 2009

Friesenrath 272m über NN


Ein historischer Spaziergang durch den Ort Friesenrath

Ausgangspunkt unseres Spazierganges ist der Waldparkplatz an der Indebrücke am Waldrand in Friesenrath. Doch bevor wir uns an der Indebrücke dem Ortskern von Friesenrath zuwenden, folgen wir dem Straßenverlauf nach links in einem Bogen bis zur Bundesstraße 258, die von Aachen in die Eifel führt. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite sehen wir hinter dem Doppelhaus einen Weg, der zu einem heute landwirtschaftlich genutzten Anwesen führt.

Dieser Hof inmitten weiter Weiden, die von der Inde durchflossen werden, trägt die zunächst schwer verständliche Bezeichnung Friesenrather Mühle. Diese Bezeichnung wird aber begreiflich, wenn man weiß, dass dort früher mit Hilfe der Wasserkraft der Inde eine Lohmühle betrieben wurde, die die Äbte der Abtei in Kornelimünster bis ins Jahr 1768 verpachteten. Im Jahre 1769 errichtete dort der Kupfermeister Michels aus Stolberg an Stelle der alten Lohmühle eine Kupfermühle mit drei Hämmern. Solche Kupfermühlen waren im Münsterländchen keine Seltenheit. Nach der Franzosenzeit gelangte die ursprünglich der Abtei gehörende Mühle an die Pfarre Hahn, die sie 1827 an den Ackerer Wilhelm Scholl, einen der reichsten Männer aus Walheim, verkaufte. 1835 ließ dieser die Gebäulichkeiten teilweise abbrechen und erbaute dort wieder eine Lohmühle, die am 23. Februar 1878 einem Brand zum Opfer fiel. Die Gewölbe der alten Lohkeller sind zwar heute noch vorhanden, sie sind inzwischen aber zugebaut und nicht mehr zugänglich.

Die Geschichte dieses Mühlenstandortes reicht zurück bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Am 2. März 1503 kaufte der Abt Heinrich von Binsfeld dort eine Eisenschmelzhütte von den Eheleuten Kaltwasser aus Schleiden. Die Abtei verpachtete die Hütte im Verlauf der Jahre u. a. an so wichtige Stolberger Unternehmer wie Hoesch und Peltzer.

Doch gehen wir zurück zur Indebrücke. Die Straße führt uns nun entlang der Inde zum Ortskern von Friesenrath. An der nächsten aus Bruchsteinen gemauerten Brücke über die Inde führt ein kurzer, ansteigender Weg zur Friesenrather Kapelle und zum Friedhof am steilen Waldhang. Das schmucke Kirchlein im Schatten des angrenzenden Waldes ist dem hl. Bernhard von Clairvaux geweiht. Es steht noch gar nicht so arg lange an seinem stillen Platz. Erst kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges, am Sonntag, dem 25. Juni 1939, hatte Dechant Gerson von Kornelimünster die Einweihung vorgenommen. Am Sonntag darauf konnte der Hahner Pfarrer Dr. Graafen die erste HL. Messe in dem neuen Gotteshaus feiern.

Doch bis dahin war viel Vorarbeit nötig gewesen: Am 22. Januar 1935 war eine Bau-kommission gebildet worden. Das Grundstück am Waldrand hatte Eugen Graf Beissel von Gymnich den Friesenrather Bürgern zum Geschenk gemacht. Und auch die Steine durften kostenlos aus dem Steinbruch des Grafen vor dem Schloss Friesenrath gebrochen werden. Die Bürger Friesenraths haben für ihre neue Kirche nicht nur fleißig gespendet, sie haben auch beim Bauen kräftig Hand angelegt. Trotzdem blieb es nicht bei den auf rund 9.000,- Reichsmark geschätzten Kosten. Laut Kassenbuch des Marienvereins waren letztlich 11.500,- Reichsmark zu bezahlen. Am 11. August 1938 konnte dann endlich das Richtfest gefeiert werden. Und gefeiert wurde tüchtig, wenn auch ein aufziehendes heftiges Gewitter die Feiernden zwang, im Lokal Müller, später Gaststätte „Friesenhof“ an der Bundesstraße, weiter

zu feiern. Im Jahr darauf aber stand den frommen Bürgern das neue schmucke Gotteshaus zur Verfügung.

Etwas weiter, auch auf der rechten Seite der Straße, aber diesseits der Inde steht die ehemalige Schule. Sie ist ganz aus mittlerweile weiß angewittertem Blaustein erstellt. Am 10. Mai 1925 war sie nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht worden. Vorher, ab dem 1. April 1914, wurden die Friesenrather Schulkinder in einer Baracke unterrichtet, die von der Gemeinde Walheim auf dem späteren Schulhof aufgestellt worden war. Diese Baracke diente nach der Errichtung des neuen Schulhauses bis zum Jahre 1939 noch als Notkirche.

Gegenüber der Schule, auf der anderen Straßenseite direkt an der Inde, flankiert von vier stattlichen Linden, erblickt man die Kriegerkapelle. Ursprünglich hatte hier nur ein Kreuz gestanden. Um das Kreuz herum wurde später durch den Marienverein die Kapelle gebaut (1906). Sie war die erste öffentliche Gebetsstätte in Friesenrath. Hier wurde im Mai die Maiandacht gehalten und im Oktober abends der Rosenkranz gebetet. Erst viel später wurden die Tafeln mit den Namen der Gefallenen der beiden Weltkriege angebracht. Damit hatte Friesenrath eine Kriegergedächtniskapelle. In die kleine Kapelle bringen die Friesenrather auch ihre Toten, bevor sie auf dem Friedhof neben der Kirche ihre letzte Ruhe finden.

Durch den Bau einer eigenen Schule und einer eigenen Kirche haben sich die Friesenrather erst verhältnismäßig spät von Hahn gelöst. Den Anfang der Selbstständigkeit hatte man allerdings schon mit der Gründung der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft nach der Jahrhundertwende (1911) gemacht. Mit dem Bau des Schützenhauses direkt neben der Schule – traditionell in Eigenleistung – hat Friesenrath seit 1982 auch mitten im Ort Versammlungsräumlichkeiten, in denen es sich auch gut feiern lässt.

Bevor der Weg weiter über den Pannekog eingeschlagen wird, empfiehlt sich ein kurzer Abstecher in Richtung Bundesstraße zum 1983 fachmännisch wieder neu errichteten Kränchen. Angeregt durch die Wiederherstellung der „Dränk“ in Bechheim (Hahn), erinnerten sich die Friesenrather, dass auch sie einmal ein Kränchen hatten, das der Trinkwasserversorgung und als Schlachtstelle diente. Nach dem Kriege war es durch die Höherlegung der Bundesstraße 258 zugeschüttet worden. Als man 1982 begann, an der alten Stelle nachzugraben, unterstützt von älteren Einwohnern, die sich noch erinnerten, hatte man an einen Erfolg des Unternehmens nicht recht glauben können. Umso größer war natürlich die Freude, als tatsächlich die verschollenen Steine nebst dem großen Steintrog freigelegt wurden. Inzwischen sprudelt das Kränchen wieder wie in alten Tagen und lädt den müden Wanderer ein zu einer kurzen Rast.

Mit frischen Kräften geht es nun wieder zurück, vorbei an der Kriegerkapelle zur Linken und der Schule zur Rechten über die Indebrücke den Pannekogweg hinauf. Vor dem steilen An-stieg geht links ein Weg ab in den alten Kalksteinbruch, auf dessen Gelände inzwischen eine weitläufige Freizeitanlage entstanden ist. Die alten Trichteröfen, in denen früher aus den gebrochenen Steinen der Kalk gebrannt wurde, sind zum Teile recht gut restauriert worden. Viele interessante Informationen können den dort aufgestellten Tafeln entnommen werden.

Auf dem Gelände des alten Kalksteinbruchs befand sich früher auch die zweite Mühle in Friesenrath: eine Schauermühle, die als Nadelschleif- bzw. Poliermühle für die Aachener Nadelhersteller tätig war. Diese Mühle wurde später von dem Müller Peter Joseph Wertz zu einer Mahlmühle umgebaut. Heute ist davon nichts mehr zu sehen.

Folgen wir aber dem steilen Anstieg des Pannekogweges, dann befinden wir uns nach ca. 100 Metern oben auf dem geschichtsträchtigsten Flecken Friesenraths. Vor uns liegen die Gebäulichkeiten eines stattlichen, landwirtschaftlich genutzten Anwesens. Der Friesenrather Hof ist ein ehemaliger Fronhof der früheren Reichsabtei Kornelimünster. Über der Haustüre ist noch das Wappen des Fürstabtes Hyazinth Alfons Graf von Suys aus dem Jahre 1721 zu sehen. Die erste urkundliche Erwähnung des Hofes stammt vom 10. November 1334. Laut Überlieferung muss er schon 1349 unter Claus von Vresenroide zu den festeren Höfen des Münsterländchens gehört haben. Im Laufe der langen Geschichte dieses Hofes hat es viele Höhen und Tiefen gegeben. Erwähnt seien Plünderungen während des 30-järigen Krieges und Not und Elend während der Besetzung durch französische Revolutionsheere. Im Jahre 1802/03 wurde der Hof säkularisiert und ist seitdem im Privatbesitz verschiedener Eigentümer. Nach Arnold Voohsen aus Aachen waren seit 1837 die Grafen Beissel von Gymnich bis 1939 Eigentümer des Anwesens.

Erheblich älteren Datums als der Friesenrather Hof sind die Fundamente aus römischer Zeit an der Westseite des Hofes, direkt links vom Hofeingang. Nach C. von Veith handelt es sich dabei um ein „Viereck von Mauern und Steinresten mit 10 Meter Seitenlänge, in welchem namhafte Architekten römischen Mörtelbau nachgewiesen haben“. In seinem Aufsatz „Das alte Wegenetz zwischen Köln, Limburg, Maastricht und Bavai“ fährt von Veith fort: „Leider waren jene Steinreste durch dichtes Gebüsch und Gestrüpp selbst mit Hülfe des Friesenrather Hofbesitzers in diesem Sommer (1886) durchaus unzugänglich, verdienen aber in günstigerer Zeit Untersuchungen und Bloßlegung“. Solch ein günstiger Zeitpunkt schien 1923/24 gekommen, als Geheimrat Professor Schmid-Burgk die Reste einer villa rustica, eines Wohn- und Wirtschaftsbaus eines römischen Gutsbesitzers fand. Die Ausgrabungen wurden jedoch vorzeitig wieder abgebrochen. So weiß man bis heute nicht genau, was alles in diesem unzugänglichen Stück Erde ruht.

Wesentlich jünger dagegen ist das Schloss Friesenrath ca. 100 Meter weiter auf der rechten Straßenseite. Es wurde zwar erst im Jahre 1925/26 von Eugen Graf Beissel von Gymnich erbaut, hat aber schon eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich. Während des 2. Weltkrieges war der Arbeitsdienst im Schloss untergebracht, in den letzten Kriegsjahren die technische Abteilung der Kriegsfliegerei. Nach dem Krieg diente das Schloss obdachlosen Familien als Unterkunft. Die Versuche, das Schloss als Kinderheim oder Altenpension zu führen, waren letztlich nicht von Erfolg gekrönt. Seit den Sechzigerjahren war das Restaurant „Schloss Friesenrath“ eine gute Adresse für den verwöhnten Gaumen. Neuerdings hat das Schloss einen neuen Besitzer gefunden, der in den gediegenen Räumlichkeiten ganz privat wohnen möchte. Zu diesem Zweck war es ja seinerzeit auch erbaut worden. Leider aber ruht die Baustelle seit einiger Zeit. Dach und äußere Hülle sind aufwändig renoviert, im Innern jedoch wartet noch sehr viel Arbeit.

An dieser Stelle ist unser historischer Spaziergang durch den Ort Friesenrath zu Ende. Bergab gelangen wir wieder ins Tal der Inde, die uns zurück zum Waldparkplatz begleitet.

 

Quelle: Geschichtsverein Hahn-Friesenrath

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